Veranstaltung: Erkenntniskritik und Heideggerianismus

Sa. 18.11.2006 – 19:00 Uhr
Erkenntniskritik und Heideggerianismus
Eine Veranstaltung im Rahmen der „Linken Literaturmesse 2006“
im Seminarraum des K4 (Ex-Komm; gegenüber des Hbf) in Nürnberg

Von Manfred Dahlmann

Seitdem der Bürger, der den Gegensatz von Bourgeois und Citoyen in sich vereinigte und seiner konstitutiven gesellschaftlichen Rolle deshalb noch bewußt war, durch die Funktionselite so endgültig ersetzt wurde wie der klassenbewußte Arbeiter durch die Konsummonade, verzichten die akademisch bestallten Theorieproduzenten darauf, die geistigen und materiellen Voraussetzungen von Gesellschaft zu reflektieren. Sie haben sich der Aufgabe entledigt, für die sie früher bezahlt wurden: Ideologien zu entwerfen, die es den Bürgern erlaubten, sich über die Unvernunft ihrer ureigenen Wirklichkeit hinwegzulügen. Das Kapital ist mittlerweile nichts als reiner Funktionszusammenhang, dem das Subjekt nahtlos sich einpaßt; auch die letzten Illusionen, die Welt gestalten zu können, sind verflogen. Allseits herrscht ein “heroischer Realismus”. Ideologie und Wirklichkeit fallen in eins: weshalb der Intellektuelle bestenfalls noch als Pädagoge und Therapeut gebraucht wird, der die Schafe zusammenzuhalten hat. Will die Kritik angesichts dessen, daß ihr mit dem selbstreflexiven Subjekt nicht allein der Adressat, sondern damit auch die Vorbedingung einer freien Gesellschaft verlorengegangen ist, nicht kapitulieren, hängt alles davon ab, ob es gelingt, zumindest die Erinnerung an die Zeit, in der es den selbstbewußten Bürger noch gab, wachzuhalten. In diesem Sinne soll erörtert werden, worum es eigentlich ging, als noch ernsthaft Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie betrieben worden ist.

Anhand einiger Thesen des gerade im ça ira-Verlages erschienenen Buches von Winfried Meyer über die Form, in der die deutsche Nachkriegsphilosophie Auschwitz mithilfe des Jargons Heideggers ungeschehen machen will, wird erörtert, worin kritische Theorie und Ontologie einander ausschließen.